Mein Weg aus dem Burnout – Gastartikel einer „Modepraline°

Durch meine letzten beiden Artikel zum Thema Burnout habe ich Kontakt zu sehr vielen Menschen bekommen, die selbst zu den Betroffenen gehören und darüber erzählen können. Und weil ich es wichtig finde, dass diese Menschen eine Stimme bekommen, habe ich einige gefragt, ob sie nicht mal über sich erzählen möchten.

Ich bin froh, dass einige ganz spontan “ja!” dazu gesagt haben und so wird es ab und zu sicher den einen oder anderen Gastartikel zu diesem Thema hier bei mir und natürlich parallel auf abob2015 geben. Vielen Dank an Modepraline, dass sie hier so offen über sich spricht. Und wer sich nun fragt, “Wieso Modepraline?” – Für mich ist wichtig, dass Menschen in einem geschützten Rahmen über ihr Burnout sprechen können. Noch immer ist das Thema ein zu heißes Eisen in unserer Gesellschaft. Deswegen steht zum Beispiel ja das “a” in abob u.a. für “anonym”.

Nichtsdestotrotz findest Du weitere Beiträge der Autorin unter www.modepraline.com, wo sie über weit mehr Themen als Mode schreibt. Aber jetzt zu ihrem Beitrag:

Ich wurde von Stefan eingeladen, einen Gastbeitrag zu diesem Thema zu machen. Da ich selber vor 15 Jahren von einem Burn out buchstäblich aus der Bahn geworfen wurde, weiss ich, wie es sich anfühlt. Und meine Familie demzufolge auch.

Auslöser müssen nicht immer wahnsinnige Ereignisse sein. Eigentlich war ich sogar mein eigener Auslöser, denn als Familienfrau mit zwei kleinen Kindern, Hausfrau mit einem grossen Haushalt, Arbeitsfrau mit einem Freelance-Job im Journalismus und politische engagierte Frau mit Ehrenämtern legte ich meine Messlatte ganz einfach viel zu hoch. Irgendwie auf gefühlte 3.50m – also auf eine Höhe, die kein normaler Mensch zu springen vermag. Ich rannte aber über Monate der Perfektion hinterher und hatte das Gefühl, dabei immer lächeln zu müssen.

Das Idealbild der Powerfrau

Nicht selten machte ich den Fehler, als Vorbilder die tollen Frauen aus den Zeitschriften und dem Fernseher zu nehmen – eben diejenigen, die alles schaffen: Kind, Haushalt, Karriere und gutes Aussehen. Ich liess mich von unechten Geschichten tatsächlich in die falsche Richtung navigieren und merkte es nicht. Auch dann nicht, als mein Körper anfing, eindeutige Signale zu senden: Schlaflosigkeit, Migräne, Gedankenkarussell ohne Ende und Freudlosigkeit. Ich stumpfte ab, zog mich zurück und ein Todesfall in der Familie brachte das Fass zum Überlaufen (auch da meinte ich, stark sein zu müssen).

Eines morgens wollte ich aufstehen und … NICHTS ging mehr. Aber gar nichts! Meine Haut schmerzte, meine Beine wollten mich nicht mehr tragen und meine Sprache war total verschwommen. Ich krabbelte auf allen Vieren zum Telefon, rief meine Mutter an und heulte total wirres Zeug in den Hörer. Sie kam sofort, avisierte den Arzt und wir waren uns sicher, dass ich eine Hirnblutung gehabt haben muss. Nix da: Totaler Zusammenbruch! Mein Nervensystem hatte sich selber auf Null runtergefahren.

Selbstschutz!

Und an diesem Tag fing eine über einjährige Odyssee mit Therapien, Berg- und Talfahrten und nächtelangen Gesprächen an. Ohne meine Familie und meine Freunde hätte ich das nie und nimmer geschafft. Das Leben fühlte sich auf einmal nur noch schlimm, schmerzhaft, hässlich und freudlos an.

Powerfrau am Ende

Die lustige Powerfrau war zum totalen Wrack geworden. Niemand konnte sich das erklären. „Du hast doch alles, was man zum Glücklichsein braucht.“ oder „Denk an Deine gesunden Kinder und Deinen Mann und reiss Dich zusammen.“ Solche Sätze nützten mir damals gar nichts, im Gegenteil. Sie erzeugten bei mir Druck und ich schämte mich. Schließlich hatte ich wirklich alles, was man so braucht. Und doch war ich nicht mehr in der Lage, meinen Alltag zu meistern. Heulkrämpfe lösten totale Depressionen ab, Schlaflosigkeit trieb mich fast in den Wahnsinn.

Die Erkenntnis

Bis ich merkte: Nur ich alleine würde die Spirale drehen können. Nicht mehr nach unten, sondern nach oben musste sie drehen!!! Und das ging nur, indem ich lernte, mir Zeit zu lassen, Geduld zu haben und die Perfektion beiseite zu legen. Klingt einfach, ist aber verdammt schwer!

Noch heute will es mir nicht immer gelingen, mich an meine Regeln zu halten. Aber durch diese bittere Erfahrung erkenne ich die Warnsignale und gehe heute viel eher einen Schritt zurück. Zudem habe ich gelernt, darauf zu pfeifen, was die Leute sagen oder denken. Das macht nämlich besonders krank. Drum an alle Perfektionisten, egal in welcher Hinsicht: 50% der Perfektion sind eine gute Leistung, mehr macht krank. Wenn es nicht das Burn out ist, wird es vermutlich irgendwann der Herzinfarkt sein.
Drum, tragt Sorge zu euch!

Danke, lieber Stefan, für den Platz, den Du mir zur Verfügung gestellt hast.

Liebe Modepraline, ich danke Dir für Deine Offenheit und wünsche Dir weiterhin alles Gute und viele LeserInnen auf Deiner Seite!

Und bis zum nächsten Mal sage ich:

Lebe authentisch!

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